Heute morgen wurde ich vom Lärm des Baggers geweckt. Das ist wohl das erste Mal, dass ich mich über eine Baustelle wirklich freue! Endlich, endlich kommt die Wasserleitung. Ich hatte die Hoffnung für diese Woche schon aufgegeben – beim vorigen Mal Nachfragen hiess es wieder: ja, wahrscheinlich diese Woche, und ja, es wird aber vorher Bescheid gesagt. Also ging ich langsam davon aus, dass ich diese Information noch öfter hören werde, und zwar jede Woche aufs Neue. Wirklich überraschend ist es nicht, dass die Arbeiten nun ohne Ankündigung begonnen haben. Hauptsache, es geht voran. Und ich wollte heute ohnehin den ganzen Tag zu Hause sein.
Es ist spannend. Aber nach der ursprünglichen Begeisterung fühle ich mich doch leicht genervt und sehr müde. Oh ja, ich kenne solch chaotische Projekte zur Genüge, aber muss es immer so sein? Während ein erster Teil der Baggerarbeiten erledigt wird, soll oben das alte Bassin auslaufen. Abstellen kann man das bisherige Quellwasser ja nicht. Der Bauer, der ausser mir das Wasser nützt, ist immerhin benachrichtigt worden. Es sind doch einige Hektoliter, das gibt schönen Sumpf! Das ist ja alles noch ganz in Ordnung. Zwischendurch wurde schon eine Leitung beschädigt – die Zuleitung zum Brunnen, von der sowieso keiner mehr wusste, wo sie ungefähr verläuft. Nun geht aber die Suche nach der tatsächlichen Wasserleitung der Gemeinde los, die nicht so genau eingezeichnet wurde. Wir leben ja am Land.
Die grösste Frage ist aber offenbar: wo kann das Gemindewasser abgedreht werden, der Zufluss unterbrochen werden, um meine Leitung anzuschliessen? Wahrhaftig, niemand scheint eine Ahnung zu haben. Viele Telefonate. Dazwischen Fahrten, um Material zu besorgen. Oh wei, nun habe ich erstmal gar kein Wasser, und wird das diese Woche noch klappen? Ich schätze schon, aber die Unklarheiten häufen sich. Ich wollte heute brav zu Hause arbeiten. Natürlich komme ich damit nicht weit, allein schon aus Neugier. Und nun ist immer mehr los. Es treffen zwei ältere Bergbewohner auf einem Moped ein. Nun kommt erst das ganze Prozedere, mit dem ich umzugehen weiss, aber trotzdem nervt es: Ah, eine neue Bewohnerin! (Naja, immerhin sind sie nicht auf dem neuesten Stand, das ist ein gutes Zeichen). Warum sie denn nicht zur Einweihung eingeladen wurden? Und so hübsch! Sie könnten ja bei mir Hausmeister werden! Oh, und wenn es bei mir keine Feiern und keinen Alkohol gibt, kann man sich ja wunderbar auf andere Weise amüsieren! Undsoweiterundsofort. Pfffffff. Wir leben am Land.
Nun sind erstmal alle gemeinsam verschwunden, um irgendwo im Dorf das Wasser abzustellen. Hoffentlich gibt es unterwegs nicht zu viel Bier. Und sonstige Fragen und Gespräche. Naja, wenn sie zuerst das Wasser abdrehen, bin ich wenigstens nicht die Einzige, die wartet, denn dann ist das ganze Dorf trockengelegt, und es muss was weitergehen. Ich bin gespannt. Ob das heute noch was wird?
